Lagois-Fotopreis 2021 zu "Nächstenliebe" ehrt Anne Ackermann und Thomas Lohnes

Regionalbischof Kopp bei der Verleihung des Martin Lagois-Preises 2021
Bildrechte: Rieke Harmsen

Mit ihrer Foto-Serie "Portraits of Consolation" hat Anne Ackermann den Lagois-Fotopreis 2021 unter dem Titel "Gesichter der Nächstenliebe" gewonnen. Bei der Preisverleihung am 10. November auf der Messe ConSozial in Nürnberg würdigte der evangelische Regionalbischof für München und Oberbayern, Christian Kopp, ihre herausragende Arbeit. 

Die Bilderserie von Anne Ackermann kombiniert Porträtfotos mit Naturbetrachtungen. Kopp, der auch Schirmherr des Wettbewerbs ist, sagte in seiner Laudatio auf die Preisträgerin und ihr Werk: "Auf der einen Seite sind Menschen, eine Tänzerin im Sprung, zwei Kinder in inniger Umarmung. In einem zweiten Bild erzählt die Fotografin mit Zitaten aus der Natur von Wundern und der Hoffnung, die zu den Abgebildeten gehört."

Ackermann könne diese Geschichten erzählen, weil sie während des Corona-Lockdowns auf Menschen in ihrem direkten Umfeld und ihrer Nachbarschaft zugegangen sei und zugehört habe, was ihnen in der Isoliertheit Kraft gibt.

Durch Interviews mit den Porträtierten, so erzählt es Ackermann in ihrer Projektbeschreibung selbst, habe sie eine Vorstellung davon bekommen, was Trostspender sein können: etwa "Berührungen, Nähe in der Familie oder auch zu Tieren. Das Wissen um die Resilienz und die zyklische Natur der Dinge, die uns die Natur mit ihrem Wechsel aus Werden und Vergehen spiegelt."

Auch sie selbst sei zur Trostspenderin geworden durch ihr "bewusstes und interessiertes Hinsehen (Fotografieren) und Zuhören (in Interviews)", so die Fotografin.

 

Der Förderpreis geht an Thomas Lohnes

Nach der Flutkatastrophe vom 14. Juli 2021 begleitete Thomas Lohnes die solidarischen Hilfsaktionen im Ahrtal. Das Lagois-Stipendium unterstützte ihn bei der Fertigstellung seiner Foto-Reportage.

Daniel Wagner vom Diakonischen Werk Bayern betonte in seiner Lobrede auf den Fotografen aus Pfungstadt die Qualität seiner Beiträge, die sich besonders in den Bildern zeige, die die ‘kleinen Momente’ einfangen. Solche Aufnahmen könnten nur entstehen, wenn man sich selbst die Zeit nimmt und den Porträtierten auch ihre Zeit lässt, so Wagner.

Nach der Flutkatastrophe am 14. Juli 2021 begegnete Thomas Lohnes im Ahrtal eine Solidarität, die – wie er sagt – bei den Helfer*innen und Anwohner*innen gleichermaßen etwas verändert hat. Copyright: Thomas Lohnes
Bildrechte: Thomas Lohnes

Was Lohnes vor Ort tief beeindruckte, so sagt er, waren die vielen Menschen, die aus ganz Deutschland ins Ahrtal gekommen waren, um an den Wochenenden oder sogar über Wochen hinweg bei den Aufräumarbeiten mitzuhelfen, "ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten. Nur Dankbarkeit. Das ist Nächstenliebe."

Die Fotografien von Thomas Lohnes aus dem Ahrtal erzählen Geschichten wie die von Dirk, der nach vier Schlaganfällen seinen Foodtruck nicht mehr betreiben darf, und mit seinem alten Volvo Brötchen und Kaffee-Spenden eines Bäckers verteilte. Oder die des Trompeters Franz Josef Graf, der immer dort sein Instrument spielte, wo er das Gefühl hatte, spielen zu müssen. Die immense Solidarität unter den Menschen im Ahrtal, meint Lohnes, habe etwas bei ihnen verändert - bei Einheimischen und Helfenden gleichermaßen.

 

Belobigung für Anna Maria Blümcke und Domenic Driessen

Eine lobende Erwähnung sprach die Jury des Lagois-Fotowettbewerbs 2021 für zwei weitere Fotoreportagen aus. Marlene Altenmüller von der Evangelischen Jugend in Bayern sagte, die Fotografin Anna Maria Blümcke habe mit einfühlsamen Bildern das Leben auf dem "Gut Adolphshof" in Lehrte bei Hannover geschildert. Anna Maria Blümcke erklärt die besondere Situation auf dem Gut:

 

Dort leben etwa 100 Menschen, die in drei Bereichen arbeiten: Sozialtherapie, Landwirtschaft und Bildung. In der Sozialtherapie gibt es 44 stationäre Plätze für Menschen mit Behinderung. Zusammen bilden sie eine Gemeinschaft – aus Menschen, die Hilfe benötigen, und aus denjenigen, die ihnen diese Hilfe geben wollen.

Domenic Driessen aus Dortmund widmete sich in "Hotel INNdepence" Menschen ohne Wohnsitz, die während der Pandemie von dem gleichnamigen Hotel in Mainz aufgenommen wurden. Seine Fotografien seien ehrlich, ohne aufgesetzt zu wirken, und lenkten den Blick auf Wertschätzung und Menschlichkeit, hieß es im Jury-Urteil.

Der Fotograf beschreibt sein Projekt folgendermaßen:

 

Wohnungslose Menschen gehören häufig zur sogenannten 'Risikogruppe'. Umso wichtiger ist es für sie, sich aus gesundheitlichen Gründen an die Empfehlungen halten zu können. Das Hotel INNdependence in Mainz hatte sich entschlossen, während der Pandemie die Türen für obdachlose Menschen zu öffnen. Deren Reaktionen auf das Angebot reichten von Misstrauen und Unglauben bis hin zu großer Erleichterung, eine Unterkunft gefunden zu haben.

 

Den Nachwuchs-Preis erhalten fünf Fotoreihen

"Die Fotografinnen haben eindrucksvoll die vielen Facetten des Themas aufgezeigt", sagten Melanie Ott und Malte Scholz von der Evangelischen Jugend in Bayern bei der Preisverleihung. Ihre Fotos sprächen die Sprache der Jugend und zeigten ihren Blick auf Nächstenliebe.

Die Barber Angels Brotherhood sind Friseur*innen, die in ganz Deutschland Obdachlosen auf der Straße kostenlos die Haare schneiden. Copyright: Therese Kietzmann
Copyright: Therese Kietzmann

Therese Kietzmann aus Schwerin gebe mit ihren Bildern obdachlosen Menschen ein Gesicht. Sie begleitete die Barber Angels Brotherhood, Friseure, die Obdachlosen in ganz Deutschland auf der Straße kostenlos die Haare schneiden.

Lena Reese mache scheinbar normale Handlungen mit ihren Bildern zu etwas Besonderem. Sie zeigt, wie ihre Freunde Nächstenliebe praktizieren, etwa beim Blutspenden, Gebärdensprache lernen oder Einkaufen für andere.

Pia Pascale Heer aus Stuttgart enttabuisiere das Thema Behinderung und stelle Fürsorge, Vertrauen und Geborgenheit ins Zentrum. Die Fotoserie "KIMI" zeigt den Alltag mit ihrer Schwester, die seit einem Herztod von der Familie zuhause gepflegt wird.

Angelina Schlosser aus Straubing greife mit ihren Bildern die Grundfragen von Nähe und Distanz zwischen den Generationen auf. Sie fotografierte Besuche bei ihrer Oma während der Pandemie.

Clara Lucie Stöhr und Nadine Waibl aus München erzählten eindrücklich, wie die Helfenden vom "EssensAusgabeMontag" zupacken und für andere im Stadtviertel da sind. Sie begleiteten das Projekt der Versöhnungskirche zur Unterstützung von Bedürftigen während des Lockdowns.

Beitrag zum Ausstellungskatalog „Gesichter der Nächstenliebe“
Lagois-Preis 2021