Der Kirchenkreis

Vom einsamen Berggipfel bis zur Weltstadt München reicht die Vielfalt unseres Kirchenkreises. In 12 Dekanaten und 150 Kirchengemeinden leben 482.139 evangelisch-lutherische Christen. Die älteste evangelische Kirche im Kirchenkreis ist die Karolinenkirche in Großkarolinenfeld, sie wurde im Jahr 1822 geweiht. Neben den Kirchengemeinden prägen die Evangelischen Dienste München, die diakonischen Einrichtungen im gesamten Gebiet sowie die Evangelische Akademie Tutzing das Leben des Kirchenkreises zur Ehre Gottes und zum Dienst für die Menschen.

Karte

Der Kirchenkreis München und Oberbayern ist ein junger Kirchenkreis, auch wenn seine Geschichte noch weiter zurückreicht: Spuren der Reformation finden sich allerorten im Herzogtum Bayern, so beim Münchner Buchdrucker Hans Schobser, in Maxlrain, Neuötting oder der damaligen Grafschaft Haag. Doch der lutherischen Bewegung stand der konsequente Widerstand der bayerischen Herzöge entgegen, so dass spätestens ab 1571 die oberbayerischen Protestanten ihre Konfession nicht frei ausüben konnten – von der Gründung einer evangelischen Kirche ganz zu schweigen.

Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnte der Protestantismus hier Fuß fassen. Der reformierte Weinwirt Johann Balthasar Michel erlangte 1801 als erster Protestant das Münchner Stadtrecht. Kurfürst Max IV. Joseph (ab 1806 König Max I. Joseph) holte mit Friederike Wilhelmine Caroline von Baden eine evangelische Prinzessin an den Hof. Drei der vier bayerischen Königinnen waren evangelisch. Weitere evangelische Bedienstete und Beamte zogen hinzu und erste Diasporagemeinden gründeten sich in Großkarolinenfeld – wo mit der 1822 geweihten Karolinenkirche heute die älteste evangelische Kirche steht – sowie in Feldkirchen, Freising, Bad Reichenhall, Fürstenfeldbruck, Burghausen oder im Raum Rosenheim.

Erste kirchenverfassungsrechtliche Strukturen entstanden 1818 durch das sogenannte Protestantenedikt. Der König als summus episcopus übertrug darin eine begrenzte kirchliche Eigenständigkeit an die neugeschaffene selbständige kirchliche Behörde des Oberkonsistoriums mit einem Präsidenten protestantischen Bekenntnisses und Sitz in München. Ihm unterstanden neben den drei Konsistorien Ansbach, Bayreuth und Speyer auch das Dekanat München.

Am 1. Januar 1921 trat – mitten in einer Zeit der politischen und theologischen Umbrüche – die „Verfassung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern“ in Kraft. Sie ist das Gründungsdokument einer vom Staat unabhängigen und bewusst demokratisch verfassten Landeskirche. Zugleich entstand der Kirchenkreis München und Oberbayern zusammen mit den Kirchenkreisen Ansbach und Bayreuth. Seither veränderte sich sein Gebietszuschnitt wiederholt, insbesondere durch die Neugründung des Kirchenkreises Regensburg 1951 und des Kirchenkreises Augsburg 1971.