Rosen der Liebe

Predigt im Ökumenischen Segnungsgottesdienst zum Valentinstag in der Basilika St. Bonifaz München
6. Februar 2015

Liebe Schwestern und Brüder!

Eigentlich haben Sie schon gepredigt - mit Ihren feinen Gedanken zu den drei Rosen, die Sie auf den Altar gelegt haben. Lebendig sind sie wie die Liebe, Dornen tragen sie als Zeichen für die Schwierigkeiten in jeder Partnerschaft, für Gefährdungen und Verletzungen, die wir uns manchmal zufügen. Rosen, die allein wunderschön sind, aber erst mit anderen zusammen, mit einem korrespondierenden Gegenüber so recht zur Geltung kommen.

Eine Rose als Symbol für die Liebe Gottes. Und damit die Erinnerung an die Passion, die Leidenschaft, mit der Jesus göttliche Liebe gepredigt hat und wofür die Menschheit ihm brutal die Dornenkrone aus einem Rosengewächs aufs Haupt gepresst hat. Welche Perversion, welche Verdrehung dieser Liebe - schrankenlose himmlische Zuneigung, die verhöhnt wird mit qualvoll schmerzenden Dornen.

Was für ein Segen, dass er auch Liebe spüren durfte wie Sie vorhin gerade. Erinnern Sie sich? Ein Mann bekommt von einem Bekannten eine Einladung zum Essen. Die Herren sind nebst einigen Freunden gerade beim Speisen, als eine Frau den Raum betritt. Ohne zu zögern tritt sie auf den Mann zu. Sie öffnet eine Flasche sündhaft teuren Parfümöls, gießt die Flüssigkeit auf seinen Kopf und massiert sie ein. Das ganze Haus ist eine einzige Duftwolke.

Die Frau ist eine stadtbekannte Sünderin, eine, die nicht in die feine Gesellschaft passt. Sie hat einen miserablen Ruf, weil sie sich einfach mit zu vielen Männern einlässt. Die Geschichte aus dem Lukasevangelium gehört zu den zärtlichen Erzählungen der Bibel. Jesus wird während dieses Abendessens mit Zuneigung überschüttet, mit Nardenöl aus einem Baldriangewächs gesalbt von den liebevollen, zarten und fürsorglichen Händen einer Frau.

Sie gibt, was sie hat: das teure Öl, ihre Tränen, ihre Haare, ihre Küsse. Die anderen sind pikiert, aber Jesus sagt einen ganz starken, göttlichen Satz: Wem wenig vergeben wird, der liebt wenig. Das heißt umgekehrt: Wer viel liebt, dem wird viel vergeben. Vielleicht ist es sogar so, dass ein Mensch, der sein Leben leidenschaftlich führt, dabei auch immer wieder scheitert – eben gerade weil er sich, seine Liebe verströmt, etwas von sich hergibt.  

Deswegen ist nicht alles richtig, was man meint, aus Liebe zu tun oder tun zu müssen. Auch nicht einfach entschuldbar nach dem Motto: Ich hab´s ja gut gemeint. Dennoch: Selbstbeherrschung, Zurückhaltung, höfliche Distanz bewahren einen möglicherweise vor Fehlern und Peinlichkeiten, aber auch davor, Zeit zur Zärtlichkeit, für Liebe zu haben. Gott nimmt sich ein ganzes Menschenleben dafür Zeit – bis in alle Ewigkeit.

Sie haben deswegen zu recht trinitarisch gepredigt oder meditiert. Drei Rosen in einem Zusammenhang: die eine göttliche Person, die immer zum Du unterwegs ist, die lebendig, dynamisch ist und bleibt. Ein Gott, der Mensch wird allein aus Liebe, der auf alle Vorrangstellung aus freien Stücken verzichtet - geradezu das Kernstück der zärtlichen Zuwendung -, der sogar stirbt für seine Leidenschaft, der ist der Inbegriff der Liebe. Gott ist Liebe.
 
Er macht uns eine Liebeserklärung und – sie fordert eine Antwort. Wer liebt, will das ja nicht unerkannt im stillen Kämmerchen tun, sondern er oder sie wartet sehnsüchtig auf Antwort: Werde ich wieder geliebt? Eine Liebeserklärung erfordert Antwort. Man darf den anderen nicht dumm herumstehen lassen – man muss sich zu ihm und seiner Liebe verhalten, eine Entscheidung fällen. Ja, oder nein.

Diese Entscheidung für jeden und jede von uns hat Gott bereits gefällt. Sie steht. Unwiderruflich. Bestätigt durch die Taufe. Unsere Entscheidung für ihn fällt wie für einen geliebten Menschen einmal - und dann jeden Tag neu. Immer wieder müssen und dürfen wir uns entscheiden, ob wir mitten im Leben Gott entdecken möchten, für uns Heimat finden und anderen gewähren, ob wir wahrer Mensch werden und bleiben möchten.

Gott zurück lieben und seine Gebote, Gesetze und Rechte halten, das ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als dem Leben behutsam, fürsorglich, respektvoll und zärtlich zum Sieg zu verhelfen. Und wenn Gott gerne eine Antwort hätte – dann können wir das wunderbar nachvollziehen! Wir wollen ja auch etwas Schönes hören, wenn wir zu unserem Partner, unserer Frau sagen: „Ich liebe Dich!” Oder zu einem Freund, einer Freundin: „Ich hab' Dich doll gern!”

Gott möchte eine Antwort. Im Alten Testament gibt es Worte, die beschreiben, wie wir sind, wenn wir unserem Herrn liebevoll antworten. Im Buch Sirach steht: „Gehorcht mir [...] und ihr werdet wachsen wie die Rosen, an den Bächen gepflanzt, und werdet lieblichen Duft geben wie Weihrauch und blühen wie die Lilien. Verbreitet Wohlgeruch und singt ein Loblied! Lobt den Herrn für alle seine Werke, preist seinen Namen herrlich!” (Sir 39, 17-21)

Ist das nicht schön und ästhetisch, geradezu olfaktorisch? Diejenigen unter Ihnen, die Blumennamen haben, können sich besonders angesprochen fühlen: Rosa, Lilly, Flora, Florentine, Viola, Violet, Ginger, Fleur, Iris, Erika, Veronika, Melissa, Rosa, Daisy,... Ich freue mich, weil ich Susanne heiße - das kommt vom hebräischen Shoshannah, die Lilie.

Damit unsere Männer nicht zu kurz kommen, seien auch einige ihrer Blumen- und Pflanzennamen genannt: Camillo, Florian, Florentin, Ivo (Eibe), Lars, Laurin, Lauritz, Lorenz, Oliver, Rosanno, Valerian (Baldrian), Yves (Eibe). Auch sehr schön, finde ich. Aber wenn sie nun ein Johannes, ein Martin oder Juri, ein Peter oder Hans sind, ist das keine Schade, sondern genauso ein wunderbarer Name, bei dem sie von Gott und Mensch liebevoll gerufen werden.

Ganz anders klingt ein Wort aus der Weisheit Salomos: „Keine Frühlingsblume soll uns entgehen. Lasst uns Kränze tragen von Rosenknospen, ehe sie welk werden. Keine Wiese bleibe von unserm übermütigen Treiben verschont, damit man überall merkt, wie ausgelassen wir gewesen sind.” (Weish 2,8) Das hört sich nach Zertreten und Trampeln an, danach, dass Menschen anderes und andere nur benutzen, womöglich sogar missbrauchen. Das ist keine Liebe.

Sie verstehen, dass mit den Worten aus Jesus Sirach nichts Oberflächliches, bloß Äußerliches gemeint ist. Geistlich-seelisches Wachstum ist gemeint, Herzens- und Verstandesstärke, ein inneres Strahlen und Leuchten, ein Leben, das weder einem selbst noch anderen einfach nur stinkt. Ein Leben, das vielmehr nach Güte duftet, nach Wärme, das von der klaren Luft der Wahrheit durchweht wird.

Im Buch der Weisheit Salomos steht: „Ich bin aufgewachsen wie ein Palmbaum in En-Gedi und wie die Rosenstöcke in Jericho, wie ein schöner Ölbaum auf freiem Felde; ich bin aufgewachsen wie eine Platane. Ich strömte einen lieblichen Geruch aus wie Zimt und köstliche Würze und duftete wie die beste Myrrhe, wie Galbanum und Onyx und Stakte und wie der Weihrauch im Tempel.

Ich breitete meine Zweige aus wie eine Terebinthe, und meine Zweige waren schön und prächtig. Ich sprosste lieblich wie der Weinstock, und meine Blüte brachte herrliche und reiche Frucht.” (Weish 24,18) Das ist prächtiges Menschenleben, beschrieben mit herrlichen Bildern aus der Natur. Natürlich sind wir nicht immer baumstark und bildschön. Aber so, wie hier beschrieben, sind wir gemeint – und das ist ein Geschenk.  

Liebe Schwestern und Brüder, Rosen, die uns in diesem Gottesdienst begleiten, sind auch Heilpflanzen. Rosen gelten als adstringierend, blutreinigend und –stillend, nervenstärkend. Sie sollen gegen Heuschnupfen und leichte Herzbeschwerden helfen, gegen Kopfschmerzen und Schwindel, Lungenschwäche, Zahnschmerzen, Ohrenschmerzen, Augenschmerzen und vieles andere mehr.

Ob das alles so stimmt, weiß ich nicht – aber dass sie bei Ohnmacht und Melancholie wirken können, kann ich mir gut vorstellen. Zu unseren Bibelworten passt übrigens, dass die duftenden Blüten der heilkräftige Teil der Rosen sind. Man kann Rosenblüten wirklich nur dann einsetzen, wenn sie duften. Außerdem ist es wichtig, dass sie leicht zusammenziehend schmecken, das ist vor allem bei den roten Rosen der Fall.

Im Orient werden Süßspeisen mit den duftenden Blättern der Rose aromatisiert und auch in der Kosmetik, das wissen die Damen unter uns, wird sie gerne verwendet. Man kann sogar aus Weißwein und Rosenblütenblättern eine Abkochung zubereiten. Dieser Rosenwein hilft gegen Erschöpfung. Ganz abgesehen davon, dass Rosenöl, mit dem Sie sich vorhin gesalbt haben,  entspannend wirkt und die Sinnlichkeit fördert. Das ist dann für später...

Die Rose ist voller Symbolik. So steht sie natürlich für die Liebe, für die Weisheit, wie wir vorhin bei den Worten aus dem Alten Testament gehört haben.  Die Rose symbolisiert die Frau, vor allem die Jungfrau Maria und versinnbildlicht ebenso die Verschwiegenheit. Im letzten Jahrhundert hat sich die Arbeiterbewegung der Rose bemächtigt und sie für ihren Kampf um Gerechtigkeit verwendet.

In den Rocky Mountains hat man Rosenblätter-Fossilien gefunden, die etwa 35 Millionen Jahre alt sind. Aus China wurde von Konfuzius schon etwa 500 Jahre v. Chr. von Rosenkulturen berichtet, die in königlichen Gärten angepflanzt wurden. Über Kleinasien wurde die Rose von Persien aus nach und nach erst in den Mittelmeerraum und später von den Römern auch nach Mitteleuropa gebracht.

Im antiken Griechenland und in Rom war die Rose sowohl wegen ihres Duftes als auch wegen ihrer Heilwirkung sehr beliebt. Karl der Grosse verpflichtete 794 n. Chr. jedes Landgut zum Anbau von Rosen, neben vielen anderen Heil- und Nutzpflanzen. Dadurch wurde die Rose bei uns in Mitteleuropa zum festen Bestandteil der Gärten und Balkone. Manchmal wohnen sie in kleinen Stöcken auch in den Zimmern und verschönern das Ambiente.

Apropos Rosen in den Gärten... Viele von Ihnen kennen den Country-Song von Lynn Andersen „I never promised you a rose garden” und können diese zwei Zeilen mitsingen: „I beg your pardon, I never promised you a rose garden. Along with the sunshine there's gotta be a little rain some time...” Tut mir Leid, ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen... Neben dem Sonnenschein gibt es halt auch immer wieder mal ein bisschen Regen.

Liebe Schwestern und Brüder, hegen und pflegen wir unsere Partnerschaften  wie einen blühenden Rosengarten. Er muss sorgsam gedüngt und vor Schädlingen beschützt werden. Er braucht es, dass wir manches ein bisschen zurückschneiden oder umsetzen, anderes ein wenig hervorheben oder stützen. Und vor allem: Bewahren wir uns den liebenden Blick für den Garten unserer Liebe und den einen Menschen, mit dem wir ihn bewohnen. Mit Gottes Hilfe. Amen.   

Tags: